Vertraulich kommunizieren, wenn Sie Ihren Geräten nicht mehr trauen

Wer befürchtet, dass Nachrichten mitgelesen oder Gespräche mitgehört werden, steht vor einem praktischen Problem: Jede Klärung braucht zuerst einen Weg, auf dem sich ungestört sprechen lässt. Diese Seite beschreibt, wie sich ein solcher Kanal aufbauen lässt, ohne die bestehenden Geräte und Konten zu berühren, und in welcher Reihenfolge die weiteren Schritte sinnvoll sind.

Erst einordnen, dann handeln

Das Gefühl, beobachtet zu werden, entsteht selten grundlos. Ob dahinter ein technischer Zugriff steckt, ist damit aber noch nicht gesagt, und beides lässt sich auseinanderhalten.

Technisch führt der weitaus häufigste Weg über Zugänge, nicht über Geräte im Raum:

  • gemeinsam genutzte oder noch bekannte Konten (Apple-ID, Google-Konto, E-Mail, Cloud-Speicher)

  • Überwachungssoftware, die einmal mit physischem Zugriff auf das entsperrte Gerät installiert wurde

  • Standortfreigaben, Familienfreigabe, verknüpfte Messenger-Geräte, Weiterleitungsregeln im Postfach

  • Sprachassistenten, Fahrzeuge mit gekoppeltem Telefon, Smart-Home-Zugänge, die weiterhin auf einen anderen Haushalt laufen

Klassische Wanzen oder Richtmikrofone spielen im Alltag kaum eine Rolle. Sie setzen Zugang zum Raum, Technik und laufende Betreuung voraus, während ein bekanntes Passwort all das ersetzt.

Diese Einordnung hat einen praktischen Vorteil: Ein Kommunikationsweg, der ohne die bestehenden Geräte und Konten auskommt, umgeht die häufigen Zugriffswege vollständig. Sie müssen dafür nicht vorher wissen, ob und wie mitgelesen wird.

Die richtige Reihenfolge

Wer zuerst aufräumt und dann telefoniert, verliert in beiden Richtungen: Spuren, die später gebraucht werden, und die Ruhe, die für den Rest nötig wäre.

  1. Sauberen Kanal herstellen. Bevor Sie mit Ihrer Rechtsvertretung, einer Beratungsstelle oder mit uns Einzelheiten besprechen.

  2. Am bestehenden Gerät nichts verändern. Keine Apps löschen, keine Passwörter ändern, keine Werkseinstellung. Das vernichtet Spuren und kann auffallen.

  3. Sichern, wenn Beweise gebraucht werden. Erst danach, und in einer Form, die später Bestand hat. Sehen Sie hierzu begleitete Beweissicherung und Beweise für eine Anzeige.

  4. Zuletzt bereinigen. Geräte prüfen, Zugänge trennen, Konten neu aufsetzen. Siehe Wird mein Handy überwacht? und Geräte-Check nach Trennung.

Für die erste Kontaktaufnahme gilt dasselbe. Wenn Sie befürchten, dass Ihr Gerät mitgelesen wird, schreiben Sie uns von einem Gerät aus, auf das die betreffende Person keinen Zugriff hat, etwa bei einer Vertrauensperson oder in einer Beratungsstelle.

Das Gerät und die Nummer

Der Kanal beginnt bei der Hardware. Ein vorhandenes Zweitgerät aus dem Haushalt taugt dafür nicht, weil es in aller Regel schon einmal mit den bestehenden Konten verbunden war.

  • Neues Gerät. Ein einfaches Smartphone genügt. Im Geschäft kaufen und bar bezahlen, damit der Kauf nicht über Kontoauszüge, Bestellbestätigungen oder Paketmeldungen sichtbar wird.

  • Einrichtung ohne Wiederherstellung. Ein neues Apple-ID- beziehungsweise Google-Konto direkt am neuen Gerät anlegen. Kein Backup einspielen, keine Kontakte, Fotos oder Notizen übernehmen. Ein eingespieltes Backup bringt genau die Verknüpfungen zurück, die vermieden werden sollen.

  • Eigene Wertkarte. Eine neue Prepaid-SIM, bar bezahlt. Keine Rufnummernmitnahme, keine Zweitkarte des bestehenden Vertrags, keine eSIM aus dem Kundenkonto Ihres bisherigen Betreibers.

  • Physisch getrennt aufbewahren. Möglichst außerhalb der gemeinsamen Wohnung, mit eigenem Ladekabel. Als Sperre eine PIN oder ein Kennwort verwenden, nicht Gesichts- oder Fingerabdruckerkennung, wenn die betreffende Person körperlichen Zugang zu Ihnen hat.

  • Mobile Daten statt Heim-WLAN. Das neue Gerät nicht in das WLAN einloggen, das die andere Person verwaltet oder einsehen kann.

Konten, Messenger und Passwörter

Auf dem sauberen Gerät wird nichts angemeldet, was es vorher schon gab. Das betrifft auch Wiederherstellungsadressen und Sicherheitsfragen, die stillschweigend zurück in die alte Umgebung führen.

  • Neue E-Mail-Adresse. Bei einem Anbieter mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, etwa Proton Mail, vom neuen Gerät aus angelegt. Als Wiederherstellung weder eine bestehende Adresse noch Ihre bisherige Telefonnummer hinterlegen.

  • Signal als Messenger. Registrierungssperre und Signal-PIN einschalten, verschwindende Nachrichten aktivieren und die Sicherheitsnummer mit Ihrem Gegenüber persönlich abgleichen. Für Anrufe ebenfalls Signal verwenden statt der Mobilfunkverbindung.

  • Vollständig neue Passwörter. Keine Abwandlung bisheriger Passwörter. Eine angehängte Jahreszahl oder ein zusätzliches Sonderzeichen ist für jemanden, der das alte Passwort kennt, in Minuten durchprobiert. Auch ein Passwortmanager wird neu angelegt, mit einem neuen Hauptpasswort.

  • Zweiter Faktor am neuen Gerät. Eine Authenticator-App oder ein Sicherheitsschlüssel. Keine Codes per SMS an die alte Nummer und keine Bestätigungen über ein Konto, das die andere Person mitbenutzt.

  • Kontaktweitergabe außerhalb des Systems. Die neue Nummer persönlich weitergeben, an Rechtsvertretung, Beratungsstelle oder Vertrauensperson. Nicht per SMS, Mail oder Chat vom bisherigen Gerät aus.

Was den sauberen Kanal wieder aufhebt

Die Einrichtung ist der kleinere Teil. Aufgehoben wird die Trennung meist im Alltag, und fast immer auf eine der folgenden Arten:

  • Beide Geräte gemeinsam unterwegs. Gleicher Standort, gleiches WLAN, aktives Bluetooth. Wer beide Geräte immer zusammen bei sich trägt, stellt die Verbindung selbst her, die er vermeiden wollte.

  • Das alte Gerät abrupt stilllegen. Ein Telefon, das plötzlich schweigt, fällt mehr auf als eines, das unverändert weiterläuft. Verwenden Sie es zunächst wie bisher, für unverfängliche Inhalte.

  • Ein einziger geteilter Dienst. Cloud-Fotos, Kalender, Notizen oder eine Familienfreigabe genügen, um das neue Gerät wieder sichtbar zu machen.

  • Der Rückkanal. Wenn Ihr Gegenüber auf die alte Nummer antwortet, war der Aufwand umsonst. Vereinbaren Sie ausdrücklich, dass nur der neue Weg verwendet wird.

  • Die Umgebung. Sprachassistenten, Fernseher mit Mikrofon, ein Fahrzeug mit gekoppeltem Altgerät oder eine Kinder-Smartwatch hören dort mit, wo das neue Telefon nichts dafür kann. Führen Sie vertrauliche Gespräche nicht in diesen Räumen.

Der rechtliche Rahmen in Österreich

Zwei Punkte werden regelmäßig falsch eingeschätzt, beide betreffen die Wertkarte und die Frage, was erlaubt ist.

  • Anonyme Wertkarten gibt es nicht mehr. Seit 2019 müssen Prepaid-SIM-Karten in Österreich vor der Aktivierung registriert werden, mit Identitätsnachweis. Barzahlung ändert daran nichts. Sie verhindert aber, dass der Kauf über Kontoauszug, Rechnung oder Lieferbestätigung im gemeinsamen Umfeld auftaucht. Darum geht es hier: nicht um Anonymität gegenüber Behörden, sondern darum, dass die neue Nummer im Umfeld der betreffenden Person nicht sichtbar wird.

  • Fremde Kommunikation mitzulesen kann strafbar sein. Überwachungssoftware auf dem Gerät einer anderen Person, der Zugriff auf deren Konten und das Abfangen von Nachrichten können nach dem Strafgesetzbuch strafbar sein. Dasselbe gilt für wiederholte Kontaktaufnahme und Nachstellung.

  • Eigene Gespräche mitschneiden. Ein Gespräch aufzunehmen, an dem Sie selbst teilnehmen, ist nicht allgemein strafbar. Die Weitergabe einer solchen Aufnahme an Dritte kann es dagegen sein, und die Verwertbarkeit vor Gericht ist eine eigene Frage. Klären Sie das mit Ihrer Rechtsvertretung, bevor Sie eine Aufnahme weitergeben.

Wir leisten keine Rechtsberatung und beurteilen nicht, ob ein Verhalten strafbar ist. Unsere Aufgabe ist die technische Seite.

Für Unternehmen

Dieselbe Überlegung gilt, sobald die eigene Infrastruktur nicht mehr als vertrauenswürdig gelten kann.

  • Im Sicherheitsvorfall. Solange offen ist, ob ein Angreifer noch Zugriff auf Verzeichnisdienst, Postfächer oder Chatplattform hat, gehört die Abstimmung des Krisenstabs auf einen Weg außerhalb dieser Systeme. Wer erst im Ernstfall damit beginnt, verliert Stunden. Dazu Digital Incident Response und Ransomware.

  • In internen Untersuchungen. Besteht der Verdacht auf Datenabfluss, darf die Kommunikation des Untersuchungsteams nicht über Systeme laufen, zu denen die betroffene Person Zugang hat. Siehe Datenabfluss durch Mitarbeiter:innen und Beweise sichern bei Mitarbeiter:innen.

  • Vorbereitet statt improvisiert. Eine Kontaktliste auf Papier, einige vorbereitete Geräte und eine festgelegte Zuständigkeit reichen für den Anfang. Wir richten das gemeinsam mit Ihrer IT ein und schulen die Beteiligten, siehe Security-Training.

Wie wir helfen

Die Anleitung auf dieser Seite können Sie selbst umsetzen. Wo Sie Unterstützung wollen, begleiten wir Sie:

  • Einordnung in der kostenpflichtigen Erstberatung. Wir klären, welcher Aufwand in Ihrer Situation angemessen ist und in welcher Reihenfolge vorzugehen ist. Manchmal ist das weniger, als Sie befürchten.

  • Begleitete Einrichtung. Gerät, Konten, Messenger und zweiter Faktor gemeinsam aufgesetzt, mit Übergabe an die Personen, die den Kanal mitnutzen sollen.

  • Prüfung der bestehenden Geräte und Konten, wenn Sie wissen wollen, woran Sie sind. Für Unternehmen zusätzlich die Abstimmung mit Ihrer IT.

  • Beweissicherung, wenn das Festgestellte für eine Anzeige oder ein Verfahren gebraucht wird.

Nach der kostenpflichtigen Erstberatung erhalten Sie einen Kostenvoranschlag für den weiteren Aufwand. Eine tatsächliche Beauftragung erfolgt erst danach. Wir arbeiten dabei nach dem Sorgfaltsmaßstab, der für Sachverständige gilt.

Erfahrung aus der Arbeit für Gerichte und Behörden

Hinter Skarpa stehen Sachverständige für Digitalforensik, die regelmäßig für Gerichte und Behörden tätig sind. Dieselbe sorgfältige, nachvollziehbare Arbeitsweise, die vor Gericht Bestand haben muss, liegt auch der Einrichtung eines sicheren Kommunikationswegs zugrunde – in der für Ihr Anliegen passenden Größenordnung.

Wir berichten, was wir feststellen. Und wir empfehlen keine große Untersuchung, wenn ein kleiner Schritt genügt.

Wenn die Bedrohung aus dem persönlichen Umfeld kommt

Geht es um Drohungen, Nachstellung oder Angst vor einer Person aus Ihrem Umfeld, hat Ihre Sicherheit Vorrang vor jedem technischen Schritt. Diese Stellen helfen kostenlos, vertraulich und unabhängig von uns:

  • In akuter Gefahr: Polizei 133 (oder 112)

  • Frauenhelpline gegen Gewalt — 0800 222 555
    Rund um die Uhr, kostenlos und anonym – auch bei Stalking und Kontrolle. frauenhelpline.at

  • Männernotruf — 0800 246 247
    Rund um die Uhr, kostenlos und anonym. maennernotruf.at

  • Opfer-Notruf — 0800 112 112
    Zentrale Anlaufstelle für Opfer von Straftaten (Mo–Fr 8–20 Uhr). opfer-notruf.at

  • Gewaltschutzzentren Österreich — 0800 700 217
    gewaltschutzzentrum.at

Gehen anonyme Nachrichten oder Drohungen ein, finden Sie das Vorgehen dazu unter Anonyme Drohungen erhalten?

Häufige Fragen

Was kostet das?
Der Aufwand hängt davon ab, wie viele Geräte und Konten einzubeziehen sind. Nach der kostenpflichtigen Erstberatung erhalten Sie einen Kostenvoranschlag für den weiteren Aufwand. Eine tatsächliche Beauftragung erfolgt erst danach.

Reicht es nicht, Signal auf meinem jetzigen Handy zu installieren?
Ende-zu-Ende-Verschlüsselung schützt den Übertragungsweg, nicht das Gerät. Läuft auf dem Telefon Überwachungssoftware, wird mitgelesen, was am Bildschirm steht, unabhängig davon, wie gut die Nachricht unterwegs verschlüsselt ist.

Ist eine Wertkarte in Österreich noch anonym?
Nein, die Registrierung ist seit 2019 vorgeschrieben. Das Ziel ist auch nicht Anonymität gegenüber Behörden, sondern dass die neue Nummer im Umfeld der betreffenden Person nicht auftaucht.

Kann die andere Person merken, dass ich ein zweites Gerät habe?
Wenn die Trennung eingehalten wird, in der Regel nicht. Auffällig wird meist etwas anderes: ein Telefon, das plötzlich nicht mehr genutzt wird, oder geänderte Passwörter an Konten, die gemeinsam verwendet wurden.

Wie erreiche ich Skarpa vertraulich?
Per Signal unter unseren Telefonnummern und per Ende-zu-Ende-verschlüsselter E-Mail über Proton Mail. Die Angaben finden Sie im Kontaktformular unter „Direkt oder verschlüsselt“. Nehmen Sie den Kontakt am besten gleich vom neuen Gerät aus auf.

Ich bin nicht sicher, ob überhaupt etwas mitläuft. Was zuerst?
Der saubere Kanal, weil er ohne diese Antwort auskommt. Die Klärung selbst können Sie danach in Ruhe angehen, über Wird mein Handy überwacht? oder den Geräte-Check nach Trennung.

Erstberatung anfragen

Schildern Sie uns in Stichworten, worum es geht, und über welchen Weg wir Sie sicher erreichen. Wir sagen Ihnen, welcher Aufwand in Ihrem Fall angemessen ist, und nennen Ihnen einen Kostenvoranschlag. Befürchten Sie, dass Ihr Gerät mitgelesen wird, schreiben Sie uns von einem Gerät aus, auf das die betreffende Person keinen Zugriff hat.

Für Unternehmen und Behörden

Sie klären Ihren Fall im direkten Gespräch mit einem Sachverständigen, wir übermitteln Ihnen in Folge ein schriftliches Angebot. Je nach Situation erfolgen Angebotslegung, Leistungserbringung und Rechnungslegung über Kooperationspartner. Behörden können einen unserer Sachverständigen direkt über eine gerichtliche Bestellung heranziehen.

Für Privatpersonen

Jede Beauftragung beginnt mit einer kostenpflichtigen Erstberatung, in der wir Ihre Situation einordnen und abschätzen, wie wir Ihnen helfen können. Ein konkreter Auftrag kommt erst mit einem schriftlichen Angebot zustande. Erstberatung, Angebot, Leistungserbringung und Rechnungslegung für Privatpersonen erfolgen über unseren Kooperationspartner; Vertragspartei ist damit nicht die Skarpa Digitalforensik GmbH. Für jede Datensicherung ist ein geeigneter Nachweis Ihres Eigentums an den betroffenen Geräten und Konten notwendig (z.B. Rechnung, Einantwortungsurkunde, Verträge...). Wir sichern ausschließlich Daten, welche öffentlich einsehbar sind oder zu welchen Sie nachweislich einen berechtigten Zugang besitzen.